Geschichte

In alten Dokumenten erscheint unsere Gemeinde unter Ciline, de Sline, in vico Cilinis, Schlines (1224) oder Schleins im Jahre 1351.

Die Bedeutung des eigentlichen Namens wird zum Teil so erklärt, dass es sich um ein Gebäude handelt, welches von einer Mauer umgeben ist, oder auch um viereckige Acker-Zellen, welche die Kolonie umranden.

Werfen wir einen Blick zurück ins Mittelalter. Das Unterengadin zählte im Jahre 1427, wie aus den Registern der Untertanen der Grafschaft Tirol ersichtlich ist, ca. 2000 Personen. Davon waren etwa 800 Personen der Grafschaft Tirol unterstellt. In Tschlin waren dies 78%, in Sent sogar 90%. Der Sitz der Grafschaft Tirol war in Meran und ihre Rechte im Unterengadin liess die Grafschaft durch den Vogt von Nauders verwalten. Bei der Gerichtsbehörde von Nauders war das Unterengadin wie folgt unterteilt:
1. Sur Muntfallun mit den Dörfern Ftan, Ardez, Guarda, Lavin, Susch und Zernez
2. Suot Muntfallun mit Tschlin, Ramosch (Samnaun), Sent und Scuol.
Die Grafen herrschten über die Talschaft und hatten die Obhut über das Hohe Gericht, die Jagd, die Fischerei, die Wälder, die Bergwerke und die Gewässer.
In Martina fand jährlich eine grosse Versammlung statt, die sogenannte «Landsprache». An dieser «Landsgemeinde» nahmen nebst Amtspersonen von Nauders und Vertreter der Gerichte des Unterengadins und des Vintschgaus, auch Vertreter des Bischofs von Chur und der Klöster Mariamunt und Müstair teil. Sie nahmen die Weisungen der Herrscher entgegen, d.h. vom Grafen des Tirols. Diese sogenannte «Landsgemeinde» hat sich bis ins 16. Jahrhundert gehalten.
Im Jahre 1363 erben die Herzöge von Oesterreich den Besitz der Grafschaft Tirol und fügen diesen mit dem des Herzogtums zusammen. Wie überall zu dieser Zeit, versuchen nun die Habsburger des Hauses Oesterreich, ihren Besitz im Unterengadin zu sichern und zu vergrössern.
Von nun an hatte der Bischof von Chur unangenehme Auseinandersetzungen mit den Grafen von Tirol und den Herzögen von Oesterreich wegen der Herrschaft im Unterengadin. Der Bischof stützte sich auf die Rechte, welche teilweise durch Stiftungen erworben worden sind. Die Grafen vom Tirol stützten sich auf Ihre Macht als Grafen und auf ihre Rechte der Gerichtsbarkeit. Die Wälder waren dem Salzbergwerk von Hall zugesprochen worden, weil Oesterreich diese zugunsten des Bergwerkes in S-charl und der Wälder in Ovella ausbeuten wollten. Das Ziel dieser Auseinandersetzungen war jedoch, die Herrschaft über die Talschaft zu bekommen; unserem Unterengadin.

Obwohl die Herzöge von Oesterreich im Unterengadin viele Rechte besassen, beteiligte sich das Unterengadin bei der Beeidigung des Gotteshausbundes in Zernez im Jahre 1367. Von nun an hatte der Bischof von Chur und unsere Bevölkerung eine grosse Unterstützung vom Gotteshausbund, und nach der Vereinigung der Rätier-Bünde auch von diesen. Die Auseinandersetzungen setzten sich trotzdem fort und nicht einmal der Schwabenkrieg mit dem Sieg der Bündner an der Calvenschlacht (22. Mai 1499) konnten diese Differenzen aus der Welt schaffen.

Während des Schwabenkrieges, am 18. Juli 1499, gelangen ca. 500 Tiroler von Sampuoir über die Fuorcla Salet nach Tschlin. Sicher, mit der Absicht, Tschlin sowie die umliegenden Dörfer zu plündern. - In einem Haus, zuoberst im Dorf, bereitet eine Frau das Totenmahl vor, während sich die Bevölkerung in der Kirche San Jon aufhält, um der Beerdigung beizuwohnen. Man kann sich ihre Überraschung vorstellen, als die Tiroler plötzlich die Küche betraten und wissen wollten, für wen sie
da koche. Die tapfere Frau jedoch, genannt Lupa erholte sich schnell und antwortete, sie müsse ein Essen für die rückkehrenden Bündner und Eidgenossen vorbereiten. Die Spione machten rechtsumkehrt, aber die tapfere Frau rannte sofort zur Kirche, um die Männer zu alarmieren.

Diese liefen nach Hause, nahmen ihre Gewehre und verfolgten die Tiroler bis hinaus zur Val Zipla. Viele der Feinde fielen.
Die bescheidene Zusammenfassung der Geschichte meines Heimatdorfes wäre nicht vollständig, wenn ich nicht ein wichtiges Dokument erwähnen würde, welches vom 22. Februar 1210 datiert. Meines Wissens ist dieses Dokument überhaupt das erste, welches die Fraktion Chaflur erwähnt. Aus der Chronik des Klosters Mariamunt im Vinschgau, verfasst von Goswin, zitiere ich folgendes: «Siegfried von Rodund verzichtet gegenüber dem Benediktinerkloster Marienberg auf den von ihm zu Unrecht als Eigen angesprochenen Hof Tschaflur, den von mehr als 38 Jahren Albert von Rodund zur Ausstattung seines in Marienberg eintretenden Bruders Ulrich dem Kloster übereignet hatte».
Robert Notegen

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